Poker Tells
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Beim Lesen eines Gegners geht es immer um die Fragen: Hat er gute oder schlechte Karten? Hat er den Flop getroffen? Ist er am Bluffen oder hat er tatsächlich ein gutes Blatt?
Unter 'Tell' versteht man ein unbewusstes Verhaltensmuster (z.B. Zittern, Mimik, Art des Atmens, dem Griff nach den Chips, usw.) eines Poker Spielers, welches den Gegnern Hinweise auf die Stärke seiner Hand gibt. In Hollywood Filmen wird oft ein ganz bestimmtes Verhaltensmuster dargestellt (z.B. mit dem Ohr wackeln, ein Zittern des Auges), wenn ein Spieler blufft oder ein gutes Blatt hat. In der Realität sind Poker Tells aber meistens nicht so einfach zu erkennen.
Schwach = Stark / Stark = schwach
Um etwas zu verbergen, liegt es in der Natur des Menschen, dass er versucht, etwas Entgegengesetztes gegenüber dem Gemeinten zu tun. Das heisst, (unerfahrene) Pokerspieler versuchen zu schauspielern, damit der Gegner einen falschen Eindruck bekommt. Wenn jemand also am Seufzen ist, seine Chips mehrmals zählt, sich unentschlossen verhält, hat er meistens ein sehr gutes Blatt. Wenn er hingegen sehr schnell callt, seine Chips auf den Tisch knallt oder wenn er den Gegner anstarrt, möchte er Stärke vorgeben, weil er kein gutes Blatt hat. Beachte also diese Schauspielerei. Bedenke aber auch, dass man hier den Gegner sehr einfach täuschen kann. Erfahrene Pokerspieler versuchen, ihre Gegner mit umgekehrten Tells in eine Falle zu locken.
Sprechen
Ein Spieler, welcher vorher andauernd geredet hat, und dann plötzlich beim Erhalten einer Hand verstummt, hat wohl ein gutes Blatt getroffen. Das Umgekehrte trifft ebenfalls zu. Wenn ein Gegner, welcher bisher stumm geblieben ist, plötzlich viel spricht, hat er wohl ein hohes Pocket Pair getroffen.
Essen und Lesen
Wenn sich ein Gegner während dem Spiel mit Essen oder Lesen beschäftigt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er blufft. D.h. wenn er mitgeht oder erhöht, hat er in der Regel ein gutes Blatt.
Frühzeitiger Griff zu den Chips
Wenn ein Spieler demonstrativ frühzeitig zu den Chips greift, hat er meistens ein schlechtes Blatt. Diese Situation geschieht öfters, wenn vor dem Small und Big Blind alle Spieler gefoldet haben. Dann greift der Big Blind vorzeitig zu den Chips. So hofft er, dass der Small Blind foldet oder nur callt. Als Small Blind sollte man in dieser Situation erhöhen.
Zitternde Hände
Unerfahrene Pokerspieler denken wohl, wenn ein Gegner beim Setzen zitternde Hände hat, dann ist das ein Bluff. Genau das Gegenteil ist der Fall. Der Spieler hat in diesem Falle ein gutes Blatt und die Anspannung bewirkt ein Zittern seiner Hände. In diesem Falle ist also grosse Vorsicht angebracht.
Zögern und Check
In der Regel kommt es vor allem beim Onlinespiel vor, dass Spieler, welche noch kein brauchbares Blatt in der Hand haben, längere Zeit zögern und dann nur checken. Allerdings kann es gut sein, dass der Spieler einen Draw hat, daher ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Versuche in einer solchen Situation, eine etwas grössere Bet als im Normalfall abzugeben. Meistens wird dieser Gegner dann folden.
Zögern und Call oder Raise
Dies ist eine ganz andere Situation als die obige. Hier ist damit zu rechnen, dass der Spieler nur Schwäche vortäuschen will. Er gibt vor nicht zu wissen, was er genau tun soll. Lass dich davon nicht täuschen, denn wie bereits geschrieben bedeutet Schwäche eigentlich Stärke. Geh also in diesem Falle nur mit, wenn du ein wirklich sehr gutes Blatt hast.
Was ist selber zu beachten
Nachfolgend einige Tipps, wie man es selber vermeidet, dem Gegner Tells zu geben:
  • Versuche emotionslos zu wirken, d.h. setze ein Pokerface auf. Wenn es dir hilft, setz eine Sonnenbrille auf. Bei Bedarf kannst du auch eine Mütze anziehen.
  • Nimm eine bequeme, aufrechte Sitzhaltung ein. Verändere diese während dem Spiel nicht. Bewege deine Füsse nicht.
  • Schaue dir deine Pocket Cards immer auf dieselbe Weise an (Kopf nach unten neigen, damit man deine Augen nicht sieht). Warte nach dem Betrachten einige Sekunden, bis du reagierst. Wenn du deine Karten betrachtet hast, versuche dein Gesicht nicht zu bewegen. Verschränke deine Hände vor dem Mund, damit er für deine Gegner nicht sichtbar ist.
  • Falls du manchmal deine Pocket Cards vergisst, schau sie dir nach dem Flop immer an. So ist immer alles gleich.
  • Wenn ein Gegner wissen will, wie viele Chips du noch hast, zähle diese ohne jemanden anzuschauen und nenne den Chipbestand. Sonst sagst du nichts und schaust niemanden an.
  • Nimm während dem Spiel keinen Augenkontakt mit deinen Gegnern auf. Sprich nicht.
  • Versuche immer auf dieselbe ruhige Weise deine Bets, Calls, Folds, usw. abzugeben. Bleib immer in derselben Stimmlage.
  • Wenn du willst, kannst du versuchen, zwischendurch bewusst falsche Tells abzugeben. Aber übertreib es nicht.
Fazit
Das Erkennen von Tells ist keine leichte Sache und ist nur ein Stück des ganzen Puzzles beim Poker. Es wird immer wieder Momente geben, wo du etwas falsch interpretierst. Beim Pokern spielt die Intuition ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Mensch hat die Fähigkeit, bestimmte Situationen im Unterbewusstsein zu deuten. Traue daher eher deiner Intuition, als nach langen Überlegungen einem Tell.
Begeh aber auch nicht den Fehler, den Tells keine Beachtung zu schenken. Gerade Anfänger können oft einfach entschlüsselt werden (Stärke = Schwäche / Schwäche = Stärke). Als Pokerspieler musst du jeden Vorteil nutzen, den du irgendwie bekommen kannst. Und Tells können ein solcher Vorteil sein, um deine Gegner besser einschätzen zu können.
Arbeite daran, dass du selber keine Tells preisgibst. Achte auf dein Verhalten und dein Timing am Pokertisch. Denke daran, dass dich erfahrene Gegner möglicherweise mit falschen Tells zu beeinflussen versuchen. Tells zu erkennen und sie zu entschlüsseln ist zu Beginn sehr schwer. Übe es, wenn du z.B. mit deinen Freunden pokerst. Mit der Zeit wird es dann ein Bestandteil deines Spiels und du kannst die Tells schon fast unbewusst verarbeiten.
Mike Caro
Abschliessend möchte ich noch das Buch 'Book of Poker Tells' von Mike Caro erwähnen. Dies ist der Klassiker unter den Poker Bücher, welche sich mit Tells befassen. Das ganze Buch befasst sich ausschliesslich mit dem Thema der Körpersprache beim Pokern. Das Buch (und auch ein später erstelltes Poker Video) zeigt viele Bilder, welche unterschiedliche Tells beschreiben. Das Problem an diesem Buch ist aber, dass es natürlich von allen guten Pokerspielern gelesen wurde und sie dadurch in der Lage sind, den Gegner zu täuschen. Aber natürlich ist es sehr interessant, um die Grundlagen und Prinzipien der Poker Tells zu verstehen.